Mein erstes ‚richtiges‘ Webinar (1)

Mein Blog ist nicht nur der Interkulturalität gewidmet sondern auch der Kommunikation generell. D.h. ich teile mit euch auch meine Erfahrungen aus der beruflichen Welt der Kommunikation. Wir alle werden gerade mit ‚Webinaren‘, Webkonferenzen, virtuellen Messen und vielem mehr nahezu überflutet. Jedes Jahr halte ich an der TH in Karlsruhe einen ‚Intercultural Management Communication‘ Kurs für ausländische Studierende. Vor ca. 2 Wochen wurde ich informiert, dass der Kurs zwar stattfindet aber definitiv als WEBINAR. Ehrlich gesagt: Ich hatte gehofft, der Kelch geht an mir vorüber (wenigstens jetzt), da ich schon ahnte, was an Arbeit auf mich zukommt. Aber wie so oft kam es anders als man denkt.

WEBINAR vs SEMINAR

Die Mehrzahl meiner Geschäftspartner und Kollegen haben meine Befürchtungen nicht so ganz verstanden. Sie würden Webinare ja jeden Tag machen, so nach dem Motto, das sei ja wohl die Leichteste aller Übungen. Doch eine Kollegin, die ich nicht nur wegen ihres Professionalität besonders schätze, wusste sofort wovon ich sprach und hat mir erst mal ihr Bedauern für die Menge an Arbeit ausgedrückt und dann gleich nachgefragt: „Wann kannst Du uns deinen Ansatz vorstellen und ein Training durchführen?“. Dann habe ich schon einmal verstanden, dass mein ‚Ansatz‘ richtig war und das Ganze nicht so einfach ist…

Die Recherche

So viele Bücher zum Thema Webinar in deutscher Sprache gibt es nicht und schon mal keine, die gut sind und mir das Wissen vermittelten, nachdem ich suchte. Ein Buch, das mir sehr viel gebracht hat ist von Jürgen Sammet und Jaqueline Wolf (aus dem renommierten Springer Verlag): „Vom Trainer zum agilen Lernbegleiter –  So funktioniert Lehren“ und Lernen in digitalen Zeiten“. Für mich der beste Anfang. Ich kann das Buch nur empfehlen. Es ist voller Ideen und Wissen aber vor allem bereitet es den Lehrenden/Trainer systematisch auf ein Webinar vor.
Dem steht in nichts das Buch von Silvia Luber und Inga Geisler nach: „Online-Trainings und Webinare – Von der Vermarktung bis zur Nachbereitung“ aus dem Beltz-Verlag. Beide Bücher habe ich als E-Books erworben, so dass sie mir auch auf Reisen wertvolle Tipps geben können.

Sehr viel halte ich auch von der Recherche im Netz. Ich bin auf einige tolle Blogs gestoßen, die sehr gut Erfahrungen zusammengefasst haben. Hier ein dickes Lob an die österreichischen und Schweizer KollegInnen, die mir scheinen, schon etwas offener und flexibler der Umstellung in die Onlinewelt zu begegnen. Aber natürlich gibt es auch in Deutschland schon viele Initiativen und sehr aktive Lehrende – keine Frage. Sehr gut haben mir diese österreichische Seiten gefallen: Schule und Lehrerweb Besonders Letztere mit super Tools, die auch im Berufsleben oder bei Studierenden gut ankommen. Aber auf die deutsche Seite der Gewerkschaft Erziehung und Bildung hat viele interessante Infos.

Wer kann besser sagen was ankommt und was nicht als Studierende?

Ich versuche auch nach meinen Kursen mit meinen Studis Kontakt zu halten. Was gefällt mir an dieser Kunden- bzw. Zielgruppe? Zunächst einmal sind viele Studierende offen für Neues und sind flexibel. Außerdem sind sie die Entscheider und Manager von morgen. Derzeit müssen die Armen aber auch über eine hohe Toleranzgrenze verfügen: Entweder ziehen die Lehrenden ihre Themen durch wie immer oder aber sie probieren was Neues, was vielleicht nicht gleich klappt, oder die Verbindungen brechen zusammen oder, oder, oder…
1. Fazit: Wir alle brauchen im Bezug auf Online-Lernen und Trainings einen hohen Grad an Lernbereitschaft, Geduld und Toleranz – aber auch die Bereitschaft Fehler zu machen, denn in diesem Bereich gilt derzeit mehr den je – Nobody is perfect! 

Die Mehrzahl meiner Studierenden versucht mit mir zusammen den Fehler zu finden und zu beheben. Außerdem geben sie unverschnörkelt Rückmeldung was gut ist und was nicht. IT-Studierende gehören zu meinen besonderen Lieblingen: Die meisten haben eine unglaubliche Ausdauer, Fehler zu suchen und zu beheben und mir es so lange zu erklären, bis ich es verstanden habe. Was kann mir Besseres passieren?
2. Fazit: Lehren und Lernen auf Augenhöhe – besonders im Online Bereich eine Win-Win Situation.

Was in der Lehre passt wird für den Beruf passend gemacht

Ich habe mir alleine in der Vorbereitungszeit für diese erste Webinar enorm viele Ideen und Anregungen geholt, was ich in Zukunft in meinem beruflichen Kontext verbessern, kreativer und somit auch individueller gestalten kann. Auch wenn einige meiner Quellen auf den Schulunterricht ausgelegt sind: Diejenigen unter Euch, die professionelle Trainer oder Dozenten sind, sind bestimmt in der Lage, sich auch dort einige Ideen oder Anregungen zu holen und bestehende Angebote zu adaptieren.

Welcher Anbieter ist der Beste für Webinare?

Kaum wurde auf ‚Online-Lehren und Online-Lehren‘ umgestellt kamen die Bedenken bezüglich des Datenschutzes auf. Der Online-Dienst Zoom war besonders stark in der Kritik – zu Recht. Allerdings wurde seitdem sehr viel nachgebessert und dass die anderen nicht viel besser sind, zeigen verschiedene Vergleichstests. Als selbständig Lehrende(r) ist man jedoch von den Entscheidungen seiner Kunden abhängig und somit sollte man mit der Zeit sich mit den gängigsten Webinar-Programmen auskennen. Hier ein paar, die am häufigsten verwendet werden:

  • Zoom
  • Webex
  • Skype Professional
  • Microsoft Teams
  • GoTo Meetings
  • Etc.
Ich finde es allerdings sehr zeitaufwendig sich mit allen Programmen auseinandersetzen zu müssen. Manche Anwendung ist nicht gerade sehr einfach zu handhaben, da ständig die Benutzeroberfläche geändert wird, um einen vermeintlich innovativen Ansatz zu vermitteln. Auch die Hochschulen kochen mitunter ihr eigenes Süppchen. So hat die Hochschule Darmstadt ein eigenes Programm entwickelt, dass sich sehr stark wohl an Zoom orientiert, aber halt ein eigenes Programm ist. Man kann es leider nicht ändern und somit muss man schon sehr flexibel sein.
Es geht nichts über Anwendung in der Praxis
Nur ein paar Tutorials, um das Webinarprogramm beherrschen zu können, ist definitiv nicht genug. Man kann sich natürlich für gutes Geld als zertifizierter Online-Trainer ausbilden lassen, aber nicht jedem sitzt momentan der Euro so locker in der Tasche. Da ich den Zoom-Pro-Account für ein Jahr zunächst kaufte, habe ich mich auf Zoom konzentriert. Hier mal wieder die Erkenntnis: You-Tube Tutorials gibt’s zuhauf, aber ich muss sagen die Besten kommen aus den USA. jeder Schritt wirt verständlich und anschaulich erklärt und ist gut nachvollziehbar. Aber Achtung: es gibt Zoom-Tutorials für Mac-Betriebssysteme und für Microsoft. Die unterscheiden sich in manchen Fällen. Es bedeutet auch, dass man, wenn möglich, in 2 Sprachen (deutsch und englisch) sich mit den Programmen vertraut machen sollte. Das erlaubt dem Trainer auch, flexibler mit seinen KundInnen zu sein. Manch ein Teilnehmer weiß vielleicht nicht wie er den Bildschirm freigibt. Wenn ich in einem englischsprachigen Kurs bin sollte ich daher alle Programme im englisch-Modus haben und umgekehrt. Aber man muss schon sehr viele Tutorials anschauen, um genau das zu finden, was man gerade sucht oder braucht. Auch Zoom bietet viele Tutorials und Hintergrundinfos. Allerdings ist es nicht immer ausreichend, daher ergänzte ich mein Wissen mit Hilfe von You-Tube. Viele Probleme wurden mir erst in der Praxis bewusst. Daher war mein Kurs mit den Studierenden Gold wert. Denn erst mit Hilfe dieses ‚Trockenversuchs‘ habe ich Fehlerquellen entdeckt und beheben können.
3. Fazit: Beste Tutorials sind die englischsprachigen – aber man muss Zeit und Geduld mitbringen, um sie zu finden. 
Das war heute der erste Teil meiner Erfahrungen bezüglich der Erstellung eines ‚Webinars‘.
Der zweite Teil folgt demnächst – nämlich die praktische Umsetzung. Also bleibt dran!
Bleibt gesund und bis bald, Waltraud