Religiöse Rituale – Ramadan im Islam

Hallo liebe Leser,

Der heilige Fastenmonat Ramadan hat begonnen. In einer Zeit von ‚social distancing‘, in der man Abstand nehmen soll und eine Zeit, in der nichts mehr selbstverständlich ist. Leere Pilgerstätten sowohl in Rom, Jerusalem oder Mekka und Medina. Priester, PfarrerInnen, Rabbis und Imame (um nur ein paar Repräsentanten zu nennen) sind gleichermaßen gefragt, ihre Kreativität und Improvisationsfähigkeit walten zu lassen. Doch besonders die Gläubigen sind auf eine harte Probe gestellt, denn die Fastenzeit im Islam ist nicht nur eine Zeit der Einkehr sondern auch die der Reflektion gemeinsam mit anderen: mit Familie, Freunden und Gleichgesinnten. Die hektische Betriebsamkeit vor dem Fasten, in der vor allem eins gemacht wird, Essen gekauft und vorbereitet, fällt dieses Jahr zumindest schwächer aus. Von dem Treffen mit Verwandten und dem gemeinsamen Gebet mal ganz abgesehen.  

Besonderheiten des Ramadans

Besonders der Frühling und die Sommerzeit sind außergewöhnlich schwierige Zeiten für gläubige Fastende, denn gerade dann sind die Tage besonders lang und die Nächte kurz. Als Regel gilt: Die letzte Nahrungsaufnahme erfolgt kurz vor dem Sonnenaufgang (der je nach Ort und jeden Tag neu berechnet wird) und das Fastenbrechen ‚Iftar‘ erfolgt nach dem Gebet zum Fastenbrechen nach dem Sonnenuntergang. Anders als in anderen Religionen, darf in der Zwischenzeit weder getrunken noch gegessen werden. Schon alleine deshalb wird Arbeiten in dieser Zeit zur Herausforderung und besonders in klimatisch heißen Ländern gelten verkürzte Arbeitszeiten. Als Expatriot (=Ausländer, der in diesen Ländern arbeitet) sollte man sich auf einen temporären Stillstand einstellen und am besten man legt selbst seinen Urlaub in diese Zeit. Jedes Jahr wird der Ramadan ca. 10-11 Tage vorverlegt.

Iftar – wie ich finde – ein schönes Ritual des Ramadans

Besonders in Islamabad fiel mir das ‚Iftar‘ in der Zeit des Ramadans auf: abends füllten sich die Straßen rund um große Fabriken und Firmen und an langen Tafeln saßen Gläubige gemeinsam zum Fastenbrechen. Dies waren in der Regel Arbeiter, ärmere Menschen, die dort kostenlos das Mahl gemeinsam mit ihren Kollegen einnehmen konnten. Finanziert werden diese Iftar-Tafeln von den Fabrikbesitzern oder Menschen, denen es besser geht. Das Fasten im Islam bedeutet, dass derjenige, der Armut nicht kennt, wenigstens in dieser Zeit ein Gefühl bekommen sollte, wie es den anderen geht, die nicht so reich vom Leben beschert wurde. Leider bleibt letzteres oft auf der Strecke, denn…

…die Fastensuppe ist die Ausnahme

Da ich selbst regelmäßig faste und seit Jahren auch regelmäßig heilfaste weiß ich, was es bedeutet über längere Zeit von seinen lieben Gewohnheiten Abstand zu nehmen oder sogar gar keine Nahrung aufzunehmen. Allerdings ist es beim Heilfasten etwas anders, denn dabei trinkt man nur und nimmt über viele Tage oder gar Wochen keine Nahrung zu sich. Was ich aber auf jeden Fall weiß und am eigenen Leib schon gespürt habe: falsches Fastenbrechen ist schlecht für die Gesundheit. Das heißt, gerade in der Fastenzeit wäre eine leichte Suppe und Tee die beste Art und Weise sich zu ernähren. Doch gerade diese Tradition, die auch sehr wichtig wäre für die muslimischen Länder, wo falsche Ernährung und Fettleibigkeit sehr stark verbreitet ist, ist in Vergessenheit geraten. Denn auch im Islam gilt das Gebot des Verzichts während des Ramadans. Das ‚Iftar-Mahl‘ zuhause artet zuweilen in einen Wettstreit aus: wer kocht mehr und besser? Und natürlich ist auch hier die Gemeinschaft und die Familie wichtig.

Fasten in Corona-Zeiten

Ich muss gestehen, so schlecht fand ich die diesjährige Fastenzeit nicht. Denn Fasten bedeutet für mich Einkehr und Besinnung auf das, was ich für richtig und wichtig in meinem Leben erachte – ohne Einfluss von außen. Man muss nicht immer sich berieseln lassen. Doch manche müssen Stille ‚ertragen‘ oder ‚genießen‘ erst wieder erlernen. Auch sich darauf besinnen, wie wichtig uns Familie und Freunde wirklich sind. Wie sehr man doch den Moment immer wieder genießen soll – ohne Mobiltelefon und ohne Fernseher. Außerdem ist es eine Zeit des Verzichts.

Fasten gibt es in jeder Religion. Jede macht es anders, hat andere Regeln oder Zielsetzungen. Aber das ist das Gemeinsame. Und ich finde diese Gemeinsamkeiten sehr schön, denn sie verbindet uns alle über Landes- und Sprachgrenzen hinweg. Fasten hat in jeder Religion eine besondere Bedeutung und fast immer sind sie sich gleich oder zumindest ähnlich.

Ich wünsche den Gläubigen, die den Ramadan dieses Jahr begehen, viel Energie und Kraft aber auch Zeit, um sich um die eigene Seele und den geist zu kümmern. Fasten, nicht nur während der Tageszeit in Form von Nahrungsverzicht, sondern rund um die Uhr den Verzicht bewusst erleben und leben. Ich bin mir sicher, für viele Menschen werden sich neue Horizonte eröffnen. Denn Gott oder irgendeine kosmische Kraft ist in uns allen (an wen oder was wir auch immer glauben) und wir sollten diese Kraft wieder bewusst suchen und neu entdecken. Dann werden wir auch die nächsten Monate gut überstehen und bestehen.   

In diesem Sinne bleibt gesund und genießt das Fasten, denn es bringt ungeahnte Kräfte in jedem hervor.

Eure Waltraud