Geber-Organisationen? Consultingfirmen? Terms of References?

Das internationale Consulting-Business – ein Buch mit sieben Siegeln

In Deutschland ist es nicht so sehr verbreitet, allerdings in Ländern wie der UK, den Niederlanden, oder auch Frankreich, Italien oder auf dem Balkan ist dieser Geschäftszweig recht populär. Es ist nicht selten, wenn man dort auf Menschen trifft, die verstehen von was man spricht. Hier in Deutschland stoße ich immer wieder auf Fragezeichen in den Gesichtern meiner Familie oder meinen Freunden. Selbst nach fast 20 Jahren in diesem Geschäft ist es schwer, zu erklären was ich überhaupt mache. Ich versuche es mal in einfach Schritten zu erklären. 

Die Ausschreibung

Es fängt alles damit an, dass Firmen(sogenannte Consultingfirmen) in Portalen nach Ausschreibungen von Geber-Organisationen suchen, die in ihrem Sektor stattfinden. Geber-Organisationen sind Organisationen, die öffentliche Gelder zur Verfügung haben, um anderen Ländern (meist Schwellen- und Entwicklungsländern) mit zumeist intellektueller Expertise zu helfen, bestimmte Bereiche oder Sektoren in ihrem Land zu reformieren, entwickeln oder zu restrukturieren. Solche Organisationen sind z.B. die EU, UN, KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau), ADB (Asian Development Bank), USAID und viele mehr. Es gibt übrigens, ähnlich wie für Länder, einen sogenannten Transparencyindex, dem man entnehmen kann, wie transparent diese Organisationen arbeiten. 

Wenn nun z.B. eine Consultingfirma im Energiebereich tätig sind, werden sie auf der Suche nach Ausschreibungen in diesem Bereich sein. Meistens kommt hinzu, dass diese Firmen sich auf bestimmte Regionen spezialisiert haben wie z.B. dem Balkan, GUS, Afrika, Asien, Lateinamerika etc. Wenn man seine Ausschreibung gefunden haben, wird man erst mal firmenintern beraten, ob solch ein Projekt sinnvoll wäre oder nicht. Danach kommt es darauf an, ob man es finanziell stemmen kann, vor allem ob man in Vorleistung für längere Zeit gehen kann. Kleinere Firmen haben vielleicht die Expertise, aber nicht unbedingt die Möglichkeit, finanziell solch ein Projekt zu stemmen. Dann werden sie Partner suchen und sich als Konsortium für diese Ausschreibung bewerben. 

Expression of Interest

Vor der eigentlichen Bewerbungsphase kommt erst mal die die sogenannte ‚expression of interest‘. Das bedeutet man signalisiert der Geber-Organisation, dass man interessiert sei, an der Ausschreibung teilzunehmen. Dann kommt die Zeit des Wartens. Nicht alle, die Interesse bekundet haben bekommen auch die Einladung, sich mit einem Angebot zu bewerben. Erst nach der offiziellen Aufforderung, geht es dann in die eigentliche Angebotsphase, in der nochmals einige Eingeladene abspringen. Noch vor vielen Jahren haben sich auch kleine Consultingfirmen um größere Ausschreibungen bewerben können. Leider gingen vielen daran zu Grunde, da diese Geberorganisationen oftmals erst nach vielen Monaten nach Rechnungserhalt und -prüfung das Geld überweisen. Damals gingen viele kleine Firmen oder NGOs daran zu Grunde. Seitdem haben viele Geberorganisationen dahingehend die Vorgaben verschärft. Jetzt bekommen vorwiegend Firmen den Zuschlag, die schon lange im Business sind und auch eine gewisse Größe besitzen. Ich überlasse an dieser Stelle jedem selbst, ob er das gut oder schlecht findet und welche Konsequenzen es daraus gibt. Meiner Meinung geht viel Individualität verloren, Expertise die vielleicht speziell und besonders ist und nur von kleineren Firmen bereitgestellt wird geht verloren oder ist nicht mehr erwünscht. Vieles wird standardisiert und manchmal hat man das Gefühl, es wird am Fließband intellektuelle Arbeit produziert und implementiert – nicht immer mit der erforderlichen Qualität. Aber wie so vieles hat sich auch unser Business verändert und wird sich noch verändern.

Welche Rolle wir Consultants in diesen Projekten spielen, werde ich nächstes Mal näher erklären. Erst mal noch einen wunderschönen Abend und bis bald, Ihre Waltraud Gehrig