Aus dem Leben eines Consultants…

Nach ein paar ziemlich hektischen Wochen habe ich endlich mal wieder die Zeit, mich um meinen Blog zu kümmern. Beruflich war ich sehr eingespannt und dauernd unterwegs. Dabei haben sich aber auch ein paar Themen ergeben, die ich in den nächsten Wochen ‚abarbeiten‘ werde.

Unser internationales Consultingbusiness hat sich verändert. Nicht gerade zum Vorteil, wie ich so von manchen Consultants gehört habe und ich in der Art auch bestätigen kann. Zunehmend werden uns die Anzahl unserer Arbeitstage in so manchen Verträgen gekürzt. Arbeiten, die man früher als sogenannter ‚Langzeitexperte‘ absolviert hatte, muss man heute in max. der Hälfte der Zeit, wenn nicht noch weniger erledigen. Zudem kommen unzählige Skype-Konferenzen, Desk-Top-Research, Vorbereitungs- und Einlesezeiten… Alles Anforderungen, die nicht bezahlt werden.

Aber nicht nur das ist zu monieren. Immer weniger, so scheint es, wird höchste Qualität gefordert. Hauptsache man schreibt etwas, nicht so wichtig, ob das am Ende alles Sinn macht oder nicht. Oftmals wird gefordert, dass man einfach nur das ausführt was der Kunde will. Egal, ob das so im Angebot stand oder nicht. Auf einmal gibt es neue Entwicklungen oder Ideen und dann wird vom Auftraggeber erwartet, dass man dies ausführt. Bis zu einem gewissen Grad finde ich das okay, denn man sollte auch flexibel agieren. Aber ich finde es sollte ein Geben und Nehmen sein. Der Kunde muss verstehen, dass nicht alles zu bewerkstelligen ist, vielleicht auch das angegebene Budget sprengt.

Was ist eigentlich ein Consultant?

Das werden wir oft gefragt und es ist nicht einfach, diese Frage ‚Außenstehenden‘ zu beantworten. Wir sind alle Freelancer also Freiberufler, die nirgends angestellt sind. Wir sind in verschiedenen Projekten tätig. Manche habe sich auf bestimmte Regionen und Themen spezialisiert, manche nur auf Themen und sind überall auf der Welt tätig. Ich habe mich für die Thematik Energie im weitgefassten Sinne (inkl. Energieeffizienz, Erneuerbare Energien, Regulierung, Versorgungswirtschaft im Allgemeinen) spezialisiert und auf Kommunikationsstrategien, Kommunikationstraining und Awareness Raising Campaigns und das Ganze vorwiegend in der ehemaligen Sowjetunion, Balkan und arabischen Länder. Manche sind lieber in Afrika oder in Südamerika und kümmern sich eher um politische Fragen oder sind in technischen Bereichen tätig.

Ich war in meinem Leben selten fest angestellt. Das Leben als ‚Freischaffender‘ ist nicht immer ganz einfach. Das Leben als Arbeitnehmer ist aber auch nicht immer ein Zuckerschlecken…Ich habe natürlich nicht die Absicherung, wie es ein Angestellter hat. Allerdings glaube ich, dass ich mich auf Marktveränderungen besser und schneller einstellen kann als ein Arbeitnehmer, der vielleicht jahrelang bei einer Firma war und sich nur selten Veränderungen stellen musste.

Consultant zu sein bedeutet für mich…

Ein Consultant zu sein bedeutete für mich nie, nur etwas ‚auszuführen‘, weil das jemand von mir erwartet oder mir eine Anweisung erteilt. Es bedeutet für mich weit mehr: Consulting ist Beratung. Wenn ein Kunde meine Dienste bucht, möchte es von mir bestmöglichst beraten werden. Er erwartet, dass ich im gegenüber loyal bin, in seinem Sinne handle. Das heißt allerdings auch seitens des Auftraggebers offen zu sein für andere Perspektiven, Veränderungsprozesse und gegen Widerstände gewappnet sein. In der ganzen Zeit stehe ich dem Kunden zur Seite. Oftmals ergeben sich aus solch einer Verbindung auch Konflikte oder gegensätzliche Meinungen. Ich persönlich finde das völlig in Ordnung, da Konflikte uns normalerweise weiterbringen, uns neue Ansätze bringen.  

Von einem Kunden einen Beratungsauftrag zu erhalten heißt für mich nicht, sich gänzlich dem Kunden zu beugen und nur seinen Erwartungen zu entsprechen. Es bedeutet für mich das meiste für ihn herauszuholen auch mitunter gegen seine Überzeugungen zu sein. Ähnlich wie in der Demokratie sollte man auch im Consultingbusiness lernen, zu überzeugen und einen Konsens zu finden. Es geht nicht um meine persönliche Überzeugung, sondern um die professionelle Überzeugung und Leistung.  

Natürlich haben wir durch die ‚Terms of Reference‘ Rahmenbedingungen und vordefinierte Outputs, an die wir uns zu halten haben. Es ist auch immer wieder eine Herausforderung für den Auftraggeber und die Teamleader, das bestmögliche aus allen Consultants rauszuholen und die rote Linie zu finden und manchmal neue Dinge anzustoßen. Aber genau das ist und war bislang das ‚Salz in der Suppe‘. Doch wir kommen heute immer mehr in den Strudel des Uniformen. Das Individuelle wird hintenangestellt, ist nicht mehr salonfähig und bitte keine Extraarbeit auch wenn sie Sinn macht und dem Land, in dem man arbeitet seinen Nutzen bringt. 

Es ist jedem selbst überlassen, wie er oder sie diese Entwicklung handhaben und damit umgehen. Ich bin davon überzeugt, dass ich auch in Zukunft gute Auftraggeber finden werde, die mein Verständnis von Consultancy teilen und gewillt sind mitunter neue und herausfordernde Wege zu gehen, die damit verbunden sind.

Und nächste Woche geht’s weiter mit noch mehr Infos zum Thema. Bis dahin alles gute und eine tolle Woche,

Ihre Waltraud Gehrig