Städtische Geschwindigkeiten

In meinem heutigen Blogbeitrag geht es nur indirekt um Kommunikation, eher um Beobachtung und eine sehr subjektive Schlussfolgerung. Ersteres spielt aber auch in der Kommunikation eine große Rolle. Ich habe über 20 Jahren in den verschiedensten Ländern und Städten gewohnt und selbstverständlich war jede einzigartig aber auch irgendwie vergleichbar. Aber ganz besonders ist mir die jeder Stadt eigene Schnelligkeit aufgefallen und was es mit den Menschen macht.

Geschwindigkeit in Moskau

Ganz besonders fiel mir einst der Umzug von Moskau nach Mannheim auf. Irgendwie war das damals der stärkste Ausdruck eines Kulturschocks für mich: die Geschwindigkeit, in der man sich bewegte und wie lange das Stadtleben am Tage so währt. In Mannheim fühlte ich mich plötzlich, als ob ich eine Schnecke sei. In Moskau tobte der Bär, die Metro ist unglaublich schnell. In Stoßzeiten gibt es minütlich Züge, die Menschen verlassen und betreten die Wagons in einer unglaublichen Geschwindigkeit. Allerdings geht das auch zu Lasten der Atmosphäre: die Menschen haben oftmals einen sehr bedrückten Gesichtsausdruck, es wird sich selten entschuldigt, wenn man jemanden anrempelt. Im Gegenteil, man wird eher noch beschimpft, auch wenn man gar nicht Schuld hatte. Das mag auch an manchen Lebensumständen hängen, nichtsdestotrotz steht man bei solch einer Geschwindigkeit natürlich ständig unter Strom. 

Nun ja, wir sind jetzt in Mannheim auch nicht gerade die super freundlichsten, jedoch relativ entspannt. Aber es geht doch  viel langsamer zu, bedächtiger. Als Kontrast geradezu grauenvoll. Ich dachte in den ersten Wochen: Hier geht ja gar nichts voran! Das hat sich gelegt und ich schätze es, dass es ein wenig langsamer zugeht und auch etwas nachsichtiger im Umgang miteinander. Außerdem wird man selbst ein wenig entspannter in solch einer Atmosphäre.

Kairo und seine Besonderheiten

Wenn man allerdings Kairo in den Vergleich mit einbezieht wird’s unübersichtlich. Als Fußgänger hat man keine Chance. Meine ägyptische Kollegin sagte mir einst, dass sie in manchen Fällen ein Taxi nehmen muss, um die Straßen zu überqueren. Selbstredend gibt es hier keine Radfahrer, außer man spielt gerne russisch Roulette und mit seinem Leben. Das Autofahren ist die Hölle. Keine Regeln, Lärm, Smog und ständig Stau. Wohingegen die Metro sehr gut ist: Sauber, hell, und ziemlich zügig. Aber so wie der Lebensstil in den heißen arabischen Ländern ist, so geht es auch in der Metro zu. Etwas langsamer, nicht unbedingt einem Fahrplan folgend also eher spontan… 

Mannheim im Vergleich mit München

Gerade bin ich in München und hier ist es ein bisschen alles von allem. Fahrradfahrer sind hier enorm schnell, viel schneller als in Mannheim, aber passen sich auch den roten Ampeln an (das ist eher nicht der Fall in Mannheim?). Die Autofahrer sind auch etwas entspannter, passen sich aber nicht allzu sehr den Geschwindigkeitsvorgaben an. Die Fußgänger bewegen sich in durchschnittlicher Schnelligkeit, aber trotz allem erliegt man dem ausländischen, ja fast italienischen Charme der Stadt und seiner Bewohner. Man sitzt gemütlich in Cafés, redet miteinander, genießt das Leben und passt sich trotzdem dem schnellen Arbeitsleben an. Das ist mir doch sehr stark aufgefallen. Die Menschen sind im Durchschnitt freundlich aber auch bestimmt und höflich. Durchaus angenehm.

Achten Sie mal auf diese Besonderheiten der Städte, in denen Sie sind. Es macht Spaß zu vergleichen, auf eventuelle generelle Verhaltensweisen zu schließen und seine eigenen Schlüsse zu ziehen. Tauschen Sie sich mit Menschen über solche Beobachtungen aus. Man kann auch über seine eigene Heimatstadt wieder viel lernen, da man die Perspektive wechselt.

Viel Spaß dabei und teilen Sie doch Ihre Beobachtungen hier mit!

Herzliche Grüße aus dem wunderschönen München,

Ihre Waltraud Gehrig