Baku – die ersten Eindrücke nach vielen Jahren…

Nach 18 Jahren hat mich das Schicksal wieder einmal nach Baku gebracht. Ein Projekt hat mich zurückgeführt in ein Land, in dem ich einige Monate lebte und arbeitete. Baku ist den Menschen in unseren Breitengraden schon alleine wegen des Eurovision Contest heute ein Begriff und auch die Formel 1 hat jetzt Einzug gehalten und hält derzeit die ganze Stadt in Atem.

Von den Bauwerken und der Stadtplanung her hat sich sehr viel verändert. Schon alleine die Fahrt vom Flughafen war speziell und ich habe vergebens versucht, irgendetwas zu erkennen. Ich dachte: Nun es ist ja auch Nacht, bei Tageslicht sieht alles bestimmt ganz anders aus.

Weit gefehlt: außer der Fußgängerzone Nizami (und auch davon nur ein kleines Stück) habe ich so gut wie nichts wiedererkannt. Meinen ersten Eindruck konnte ich nicht einordnen: Sollte ich das gut finden oder nicht? Was war anders und warum? Ich habe mir als erstes Mal gedacht, dass ich erst mal noch mehr Eindrücke sammeln sollte.  

In den darauffolgenden Tagen konnte ich mehr von der Stadt sehen. Erst mal das eher Oberflächliche: Die Stadt ist durchsetzt von vielen wunderbaren Stadtparks. Sie sind natürlich ziemlich doch eher orientalisch und sehr herrschaftlich anmutend aber auch das ist sehr beeindruckend. Orientalisch bedeutet für mich viel Marmor, Stein, weniger Grünflächen oder Kieswege, was aber auch Sinn macht aufgrund des Klimas (mitunter sehr heiß, wenig Regen und vor allem sehr windig). Fast alle Parks sind mit vielen Bäumen bestückt, die Schatten spenden.

Überall gibt es unzählige Bänke, auf denen Menschen sitzen, ausruhen, sich treffen oder einfach mal einen Moment innehalten. Es wird viel miteinander geredet, auch die Körpersprache ist anders als bei uns. Es gibt viel mehr Berührungen unter den Menschen, sie scheinen emotionaler und gefühlsbetonter.

Die Straßen sind natürlich, wie auch in anderen Ländern, mit Autos nur so vollgestopft. Auch in Baku gibt es viele Staus, besonders um die Stoßzeiten herum. Aber es gibt auch sehr viele Möglichkeiten, die Straßen zu überqueren: Fast überall gibt es Ampeln und das Entscheidende, wie auch Überraschende für mich, die meisten halten sich an die Ampelregelung. Somit gibt es auch viel weniger Verkehrschaos. Die wenigsten Autofahrer fahren auf die Kreuzung ein, wenn es sich vor ihnen staut. Tja, da könnte sich manch einer bei uns ein Beispiel drannehmen.

Was mich am Allermeisten Überraschte war, dass alle Autofahrer an Zebrastreifen anhalten. Sie werden nun sagen: Ja und? Das ist ja normal. Weit gefehlt, in solchen Ländern, wie Aserbaidschan, Ägypten, Indien etc. ist das völlig normal, dass NICHT am Zebrastreifen angehalten wird. Daher hat mich das sehr überrascht. Man teilte mir mit, dass es sehr teuer ist, den Zebrastreifen zu ignorieren und die Konsequenz ist, dass die Autofahrer anhalten.

Aber auch die unzähligen Fußgängerunterführungen sind eine wahre Wonne: Fast alle haben sowohl Rolltreppen als auch normale Treppen. An vielen Unterführungen gibt es auch spezielle Vorrichtungen, um Rollstuhlfahrer zu befördern. Und vor allem: sie sind alle gut beleuchtet und sehr sauber. An Punkten, die sehr stark frequentiert sind, gibt es sogar Toiletten mit Personal.

Generell ist es sehr sauber und ich habe oft bemerkt, dass Raucher ihre Zigarettenstummel gleich in den Abfalleimer werfen. Auch etwas was ich mir bei uns manchmal etwas mehr wünschen würde. Es gibt vieles, was sich lohnt als Inspiration mitzunehmen. Vieles gab es aber auch, was man gut und gerne sich nicht als Beispiel heranziehen sollte. Mehr dazu das nächste Mal. Bis dahin, einen wunderschönen Tag,

Ihre Waltraud Gehrig