Maifeiertage

Herzlich willkommen!

Es ist mal wieder soweit – die Maifeiertage stehen vor der Tür (nachdem wir ja erfolgreich bereits Ostern hinter uns gelassen haben). Anhand dieser Feiertage möchte ich aufzeigen, wie wichtig die Beachtung der Feiertage im internationalen Kontext/Business ist. Maifeiertage sind vor allem in den ehemals sozialistischen Ländern sehr wichtig. Es beginnt schon mit der ‚Einstimmung‘ Ende April. Ab da weiß man schon, dass das gesamte Land sich im Relaxstadium befindet. Wenn ich Länder wie Russland, Moldawien etc. als Beispiel nehme, spielt sich ab diesem Zeitpunkt das Leben oft schon in der Natur bzw. auf der Datscha ab (eine Art Schrebergarten, Häuschen außerhalb der Stadt). Die Parzelle wird in Ordnung gebracht, es wird gewerkelt und das Frühjahr nimmt so richtig Fahrt auf (selbst bei minus 10 Grad).

Der erste Mai ist immer noch ein sehr wichtiger Feiertag und wird oftmals mit Aufmärschen und Feierlichkeiten begangen, eher seltener mit Unruhen einhergehend. Aber die wichtigeren Feiertage besonders in noch vielen Teilen der ehemaligen Sowjetunion ist der 9.Mai – der Tag des Sieges (über den Faschismus). Der 9.Mai ist aber auch für uns ein ‚Schicksalsdatum‘, wurde doch am 09.Mai 1950 die Gründung einer Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl durch den französischen Außenminister Robert Schuman vorgenommen.

Besonders als Ausländer sollte man sich den örtlichen Gepflogenheiten anpassen. In dieser Zeit ist das Leben nicht sehr pulsierend und viele nehmen sich eine Auszeit und verreisen. Wenn man selbst kein Urlaub bekommt oder nehmen will, ist dies eine perfekte Zeit, um Dinge abzuarbeiten. Aber es gilt auch, wie z.B. am 08.März (dem internationalen Frauentag), zu gratulieren. Man verschickt Grüße, man gedenkt der Vergangenheit, würdigt die Frauen oder am 23. Februar in Russland den russischen Soldaten (Tag des Vaterlandsverteidigers). Doch besonders an nationalen Gedenktagen war ich mir immer noch einmal mehr bewusst, dass ich Deutsche bin. 

Im Allgemeinen wird es sehr geschätzt, wenn man dieser Feiertage mit gedenkt auch und besonders als Deutsche(r). Oft geht dies einher mit Gesprächen über die jeweiligen persönlichen Erfahrungen, besonders wenn man die russische Sprache einigermaßen beherrscht. Was hat der Krieg mit den Familien auf beiden Seiten gemacht? Wie wurde der Krieg und die Folgen wahrgenommen? Welche Stereotypen haben sich aus diesen Erfahrungen heraus entwickelt? Wir als Deutsche waren die Besiegten und unser Land prosperiert und entwickelt sich. Die Sowjetunion war eine der Siegermächte und vieles hat sich nicht so entwickelt, wie es vielleicht erwartet worden ist. Es kann spannend sein, aber auch sehr tiefgreifend und bewegend. Manchmal gibt es die Möglichkeit, vieles für sich selbst zu reflektieren. Aber auch das Verhalten der anderen Seite kann vielleicht dadurch besser wahrgenommen werden.

Ich möchte heute schließen mit einer Freundschaft, die sich über die Arbeit entwickelt hat und nicht vor schwierigen Themen halt macht und besonders in den letzten Tagen wieder ihre Tiefe beweist. Ich durfte einen älteren Kollegen aus Israel über ein Projekt kennenlernen. Bis heute haben wir regelmäßig Kontakt und wir vermeiden nicht, die schwere und tiefgehende Thematik der deutschen Geschichte, besonders in Bezug auf den Holocaust zu diskutieren. Besonders auch dieses Jahr wieder in Bezug auf den Holocaustgedenktag. Ich habe daraus gelernt, dass wir durch regelmäßige Gespräche, die auch oftmals sehr persönlich sind, ganz viele neue Perspektiven aufgezeigt bekommen.

Ich möchte damit schließen, dass ich allen wünsche Mut zu haben über Dinge zu reden, die teilweise sehr schmerzhaft sein können. Es ist schwierig, aber es bringt uns alle ein Stück weiter und hilft uns, auch die anderen Seiten besser zu verstehen. In diesem Sinne – schöne Feiertage und bis nächste Woche. Ihre Waltraud Gehrig